Wikinger und ihre Tattoos in Kurzfassung :
Eine historische Analyse
Die Ursprünge der Wikinger-Kultur
Der Begriff "Wikinger" bezeichnete ursprünglich keine ethnische Gruppe, sondern eine Tätigkeit: das Auf-Raubzug-Gehen. Zwischen 600 und 1100 n. Chr. schlossen sich verschiedene nordische Sippen - Dänen, Schweden und Norweger - zu solchen Unternehmungen zusammen. Diese wurden oft von Jarls oder Königen finanziert. Gleichzeitig unterhielten die nordischen Völker auch friedliche Handelsbeziehungen, die ihnen Zugang zu verschiedenen Kulturen, Sitten und Bräuchen ermöglichten.
Die Geschichte der Tätowierung in Europa
Die Tradition der Körpermodifikation reicht weit in die europäische Geschichte zurück. Die ältesten Belege liefert die Gletschermumie "Ötzi" mit beeindruckenden 61 Tätowierungen, die vor etwa 5300 Jahren mit Kohlepulver erstellt wurden. Weitere bedeutende Funde stammen von den Skythen (700 v. Chr.) und der Pasyryk-Kultur, die im Permafrost Osteuropas konserviert wurden.
Tätowierungen in der antiken Welt
Die Griechen bezeichneten Tätowierungen als "στῐγμᾰ" (Stigma), was auf Markierungen oder Punktierungen hinweist. Sie beobachteten diese Praxis bei den thrakischen "Barbaren". Der byzantinische Arzt Aëtius von Amida dokumentierte detailliert die Technik der Stigmata-Erstellung in seinen medizinischen Schriften.
Römische Perspektive und historische Quellen
Julius Caesar beschrieb in seinen Aufzeichnungen zum gallischen Krieg, wie die Briten sich mit Färberwaid blau bemalten, um in der Schlacht furchteinflößender zu wirken. Herodian von Antiochien berichtete von den Kaledoniern, die ihre Körper mit tierischen Motiven schmückten. Diese Beschreibungen deuten auf eine Kombination aus temporären Bemalungen und permanenten Tätowierungen hin.
Die Wikinger und ihre Körperkunst
Der arabische Diplomat Ibn Fadlan lieferte 922 n. Chr. eine der wichtigsten historischen Quellen zu wikingerzeitlichen Tätowierungen. Er beschrieb die "Russiyyah" als Menschen mit Körperverzierungen "von den Zehen bis zum Hals mit Baumenbildern und dergleichem". Seine Unsicherheit in der Beschreibung der Technik deutet darauf hin, dass er mit dem Konzept der Tätowierung nicht vertraut war.
Religiöse und gesellschaftliche Bedeutung
Tätowierungen dienten verschiedenen Zwecken:
- Als religiöse Symbole für Segen und Frömmigkeit
- Zur Kennzeichnung von Sklaven und Kriminellen
- Als Identifikationsmerkmal für römische Soldaten
- Als kulturelles und stammesverbindendes Element
Fazit und archäologische Beweise
Die archäologischen Funde und historischen Quellen legen nahe, dass Tätowierungen in der nordischen Kultur eine bedeutende Rolle spielten. Die reiche Verzierungskunst der Nordvölker, die sich in Schmuck, Gefäßen und Gewändern zeigt, unterstützt die These, dass auch der menschliche Körper als Leinwand für dauerhafte künstlerische Ausdrucksformen diente.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf historischen Quellen, persönlichen Recherchen und Gesprächen auf Conventions und Mittelaltermärkten. Weitere Quellenangaben werden fortlaufend ergänzt.